Gegen Bilderklau - Das Original (http://www.gegen-bilderklau.net/index.php)
- Prosa, Epik, Kunst (http://www.gegen-bilderklau.net/board.php?boardid=133)
--- Schreibecke (http://www.gegen-bilderklau.net/board.php?boardid=71)
---- Geschichten (http://www.gegen-bilderklau.net/board.php?boardid=77)
----- Its Just Me and My Life - Katie (http://www.gegen-bilderklau.net/thread.php?threadid=176941)


Geschrieben von Hidalgo am 06.11.2010 um 00:31:

  Its Just Me and My Life - Katie

Da mich bei Nightwalker etwas die Lust verlassen hat, musste ich einer neuen Idee unbedingt noch nachgehen und wollte einfach mal so wissen, was ihr davon haltet. Vielleicht habt iht ja Lust mir ein paar Verbesserungsvorschläge zu machen, ich würde mich darüber jedenfalls riesig freuen smile

1. Kapitel


Mit hastigen Bewegungen suchte ich meine paar Sachen, die ich noch besaß, zusammen und stopfte sie allesamt in meinen schwarzen, zerschlissenen und total abgenutzten Rucksack. Mir Geld zu besorgen war nicht sonderlich schwierig, die Freundin meines Vaters ließ es ja einfach überall im Haus liegen. Dazu kannte ich jedes ihrer erbärmlichen Verstecke. Kurz rüttelte ich zum Schluss noch an der Klinke meiner Zimmertür, doch diese blieb verschlossen. Ich hätte sie aufbrechen können, doch dann hätte sie sich mir wohl wieder mit einem Küchenmesser in den Weg gestellt. Nichts war armseliger als diese Frau.

Mit dem Tod meines Vaters hatte man mir alles genommen, was mir auf dieser Erde noch geblieben war und so hatte sich mein Leben langsam auf die Straße verlegt, wo man mich verstand, wo man nicht dauernd reden musste, nein. Bei uns verstand man sich ohne Worte. Kurz starrte ich auf meine Bettdecke, verwarf den Gedanken, auch diese mitzunehmen aber gleich darauf wieder. Sie würde mich nur behindern. Nach kurzem hin und her überlegen stopfte ich mir allerdings dann noch meine Kopfkissen in den Rucksack, kontrollierte nochmal meine Geldvorräte und trat dann an mein großes Zimmerfenster.
Einen Augenblick lang drohten meine Gefühle und meine Erinnerungen mich zu überwältigen, doch dann hörte ich seine Stimme irgendwo in meinem Kopf, die mir solche Emotionalitäten verbot. Wenn du überleben willst, dann musst du dich immer unter Kontrolle haben, oder du stirbst schneller als du realisieren kannst, dass dir ein Messer zwischen den Rippen steckt.
Der Tod war für uns alle etwas natürliches, schließlich sahen wir meist jede Woche ein paar Tote, selbst wenn es nur Obdachlose waren. Ob es nun doch einer der anderen war, einer der unseren, das machte keinen Unterschied mehr. Liebe war bei uns fehl am Platz. Dadurch konnte man nur schneller ausgenutzt werden, schneller verlieren, schneller sterben.
Ein kurzer Blick in mein Zimmer und dann stand ich auf dem Fensterbrett. Der Baum, der günstiger weise neben dem Haus stand bot mir einen idealen Fluchtweg, den ich schon des öfteren ausprobiert hatte, jedoch niemals wirklich zum flüchten genutzt hatte. Doch Noemi und ihre Techniken mich im Haus zu behalten wurden immer raffinierter, sodass ich mich gezwungen sah zu dieser Maßnahme zu greifen.
`Wahrscheinlich wird sie den Baum dann fällen lassen, wenn sie bemerkt, wie ich diesmal raus gekommen bin´, dachte ich grimmig. Nur gut, dass ich nicht vorhatte nochmal wiederzukommen.
Noch einenletzten Blick gestattete ich mir, mit dem ich versuchte mir das Haus noch einmal so vorzustellen, wie es gewesen war, als es meinen Vater noch gegeben hatte.

>Our Home is our Castle< war sein Spruch gewesen, wenn er mich mal wieder getröstet hatte, ja mit ihm an meiner Seite hatte mich nichts einschüchtern können, mit ihm an meiner Seite war ich unschlagbar gewesen. Früher hatte ich einmal an Gott geglaubt, inzwischen hasste ich ihn. Hasste ihn dafür, das er mir diesen Menschen genommen hatte, einfach so ohne jeglichen Grund.
Die Träne die sich trotz allem aus meinem rechten Auge stahl, wischte ich mit einer ruckartigen Bewegung beiseite und fing an meine Mauer zu bauen, hinter der ich mich verkriechen konnte. Mein Gesicht wurde zu einer Gefühlslosen Maske, die niemand mehr durchdringen konnte. Dann ließ ich meine Beine den Weg zu unserem Unterschlupf finden, ohne wirklich dabei zu sein.

Ich war nicht die erste, die im Lager auftauchte. Die, die sich hier häuslich eingerichtet hatten, waren immer da, wie Jered und Guel, aber Kevin und Flo waren schon vor mir hier und saßen mit den anderen an der Wand und waren voll damit beschäftigt ein Feuer zu entfachen, was bei dem Wind, der heute herrschte aber wohl ein aussichtsloses Unterfangen war. "Oha, Misses Diva ist auch wieder da", bekam ich von Guel zu hören und spie ihm nur ein "Halts Maul" vor die Füße, ehe ich mich in meiner Ecke niederließ. Ich hatte mir den Platz zwischen zwei Häuserwänden mühselig erkämpft, da man in einer bestimmten Haltung den Himmel sehen konnte. Hier verbot ich mir allerdings jeden Gedanken an meinen Vater, denn die anderen würden meine Gefühle nur ausnutzen.

"Noch freundlicher gehts auch nicht, he?", vernahm ich da plötzlich eine nur zu bekannte Stimme hinter mir. Sie gehörte Lester, der uns hier alle zusammengebracht hatte. Ich war noch nicht so lange dabei, wie manche von den Anderen, die schon da waren, doch durch meine Fähigkeiten mich ungesehen fast überallhin schleichen zu können und genauso ungesehen wieder zu verschwinden hatte ich mir relativ schnell meinen Platz in unserer Rangordnung gesichert. Lester hatte mich gefunden, als ich das dritte Mal abgehauen war, wenn mir durch Noemi mal wieder die Decke auf den Kopf gefallen war. Sie war mit mir einfach schlichtweg überfordert und auch keine besonders gute Pädagogin, denn sie hatte es ja letztendlich geschafft mich ganz aus dem Haus zu vergraulen.
`Würde mich nicht wundern, wenn sie froh ist, dass ich endlich weg bin´, dachte ich bei mir und warf Lester einen kurzen Blick zu. Er war groß gebaut und muskulös, verbarg sich aber immer hinter seiner Kapuze, als hätte er Angst der Welt sein Gesicht zu zeigen.

Niemand von uns wusste etwas über ihn, während wir untereinander eigentlich alles wussten. Wir hatten keine Geheimnisse voreinander und es gab keinen Besitz. Hatte einer für Geld sorgen können galt es die ganze Gruppe damit durch zu bringen und zu unterstützen. Das hatte den großen Vorteil, dass es keinen Diebstahl gab. Jeder hatte ein paar persönliche Einzelstücke, doch davon hatte man die Finger zu lassen, wollte man keine gebrochenen Knochen davontragen.

Ich zog die Nase hoch, kramte in meiner Hosentasche und zauberte einen fünfzig-Euro Schein daraus hervor. Lester hob die Augenbraue, denn die Verstecke, die Noemi hatte waren einfach zu offensichtlich.Vielleicht legte sie mir extra so viel Geld dorthin zurück, damit sie sich zumindest einreden konnte, das sie etwas für mich tat, doch das war mir egal. Ich war inzwischen schon eine derjenigen, die immer Geld mitbrachten und aktiv dazu beitrugen uns nicht verhungern zu lassen. Die anderen kümmerten sich größtenteils um die Angelegenheiten mit den anderen Banden, die in unserer Nähe herum streunten und sich nie feste Verstecke zulegten. Manchmal versuchten ein paar Schwachsinnige unser Lager zu überfallen, doch sie scheiterten meist schon an unseren ersten Wachtposten. Wir alle lernten uns selbst zu verteidigen, von daher trugen wir auch alle mindest ein immer einsatzbereites Messer mit uns herum.

Besonders gut leiden konnten wir uns allerdings trotzdem nicht. Vor allem das Verhältnis zwischen mir und Guel war immer angespannt und jeder wartete auf einen Fehler des anderen woraufhin man einander mal ordentlich zur Rechenschaft ziehen konnte.

"Wir haben jemand neuen", durchbrach Lesters feste Stimme meine Gedankengänge und ich sah überrascht hoch. Wir hatten schon länger keinen Neuzugang mehr gehabt und der schmächtige Bursche, dem Lester beruhigend eine Hand auf die Schulter legte sah nicht unbedingt so aus, als würde er bei uns sonderlich lange durchhalten. "Er heißt Dean, ich wäre euch echt dankbar, wenn ihr euch um ihn kümmern würdet." Sein Tonfall ließ keinen Widerspruch zu und da tauchte auch schon Lenny auf. Sie war eine treue Seele und hatte ein ziemlich gutes Herz. Ihre streichholzkurzen Haare verliehen ihr etwas freches und jeder im Lager mochte sie, weil sie eben einfach Lenny war. "Ich mach das schon, Lester", löste sie schnell die Spannung auf und schob Dean sanft zu ihrem Lager. Sie war von Anfang an da gewesen und egal was man hatte, mit ihr konnte man reden. Sie war Weise und hatte es sich zur Aufgabe gemacht für uns andere zu sorgen. Sie war auch unsere Verpflegerin, die uns unser Essen einteilte. Sie war das halbe Lager.

Zum Dank schenkte Lester ihr ein kurzes Nicken, bis er die Anwesenden mit einem kurzen Blick überflog. Hinter ihm kamen noch Troy, Mad und Nath, die immer zusammen unterwegs waren. Somit waren wir fast komplett vollzählig, nur Mandy fehlte noch, doch sie war auch diejenige, die es von uns am schwersten hatte, was das abhauen anging, da ihr Vater mit ihr in einem achtstöckigen Hochhaus wohnte, von dem man nicht unbedingt so einfach abhauen konnte.

Irgendetwas verwirrte mich an Lesters Haltung, aber ich kam nicht darauf, was es war. Ich machte mir allerdings nicht die Mühe ihn zu fragen, was los war. Wenn er es für wichtig hielt, würde er es uns mitteilen, oder auch nicht. Das war ihm vorenthalten, das war seine Aufgabe.

Leichter Nieselregen setzte ein und wir machten uns daran eine notdürftige Plastikplane an ein paar Ringen zu befestigen, die wir in die Hauswände hineingeschlagen hatten um uns auch bei Regen hier aufhalten zu können. Im Winter wurde es dann meist schon schwerer, doch teilweise bastelten wir dann aus allem was wir hatten eine Art Zelt, in dem wir uns alle dich aneinandergeschmiegt gegenseitig wärmten. Inzwischen war schon wieder Herbst und die Zeit der kurzärmligen T-Shirts oder der nackten Oberkörper war vorbei. Vielleicht würden wir uns für diesen Winter auch ein neues Lager beschaffen, aber das lag alles in Lesters Händen.

Es war schon fast dunkel, als Mandy dann endlich mit zerzausten Haaren zu uns stieß. Sie wendete sich gleich an Les und die beiden verzogen sich zusammen. Irgendwo waren die beiden zusammen aber irgendwo auch nicht, doch das hatte uns nicht zu interessieren. Ich stand bei Lanny und Dean, der sitzend mit einer Tasse heißem Tee in eine warme Wolldecke eingehüllt von Lan und mir wieder etwas zu Kräften gebracht wurde. Wir schwatzten über lauter belangloses Zeug und doch lag eine Spannung in der Luft, die man nicht ignorieren konnte. Heute würde noch irgendetwas passieren, das war allen klar, auch mir. Doch ich hoffte, dass es mich nicht betreffen würde.



Geschrieben von TerraTX am 06.11.2010 um 12:54:

 

Ja, gut, ein weiblicher Hauptcharakter, nicht so mein Ding, aber ansonsten ganz nett xD
Momentan gleich es mehr einer Inhaltsangabe, der man ein wenig Schreibstil verliehen hat, weil es wenig Interaktion zwischen den Charakteren gibt und dein Hauptcharakter auch nicht viel denkt, fühlt, etc. - du erzählst halt wesentlich mehr kurz über vergangene Ereignisse.
Von daher kann ich noch nicht viel dazu sagen, wie mir die Geschichte gefällt, weil es eigentlich noch gar nicht um die Geschichte geht, sondern das, was davor passiert ist.

Zitat:
`Würde mich nicht wundern, wenn sie froh ist, dass ich endlich weg bin´, dachte ich bei mir, beachtete Lester aber nicht weiter. Er war groß gebaut, verbarg sich aber immer hinter seiner Kapuze, als hätte er Angst der Welt sein Gesicht zu zeigen.


Das ist das einzige, was mich stört: Sie beachtet ihn nicht weiter, aber beginnt plötzlich, etwas über ihn zu erzählen. Das ist genau das Gegenteil.



Geschrieben von Hidalgo am 10.11.2010 um 17:18:

 

Danke für die kritik,Terra, hab es gleich mal ausgebessert smile
*sich ein kleines Loch in den Bauch freu*

Hab auch schon einen kleinen, neuen Teil geschrieben, auch wenn ich nicht weiß, ob er gut ankommt, oder ob ich das erst später hätte schreiben sollen ...
In meinem Kopf spuken nur irgendwie unzählige Gedanken und Ideen herum von denen ich mir jetzt einfach mal eine gegriffen ahbe. Ich weiß nicht ob ihr euch so in sie hineinversetzen könnt wie ich als Schreiberin, doch ich würde mich wieder über Kritik und sonstige Kommentare freuen smile



Als Lester wieder auftauchte wirkte er sichtlich verstört. Sein Gesicht konnte man wegen der Dunkelheit und seiner Kaputze nicht sehen, doch sein Körper wies darauf hin, das etwas ganz und garnicht in Ordnung war. Len war schon dabei unser Essen anzurichten, stockte dann allerdings. Mir wurde plötzlich bewusste, dass wir ihn alle anstarrten und lenkte meinen Blick schnell auf Dean, der ebenfalls gebannt zu Lester aufsah. Der Wind hatte sich nicht gelegt und mich durchlief ein unangenehmes Frösteln.

Da kam Mandy auch wieder und mit ihr die Bewegung in Lesters Körper. Ihr Schritte hallten auf dem Pflaster gespenstisch nach und jeder davon schien in Lester irgendeinen Gedanken auszulösen. Seine ersten Worte waren ein Hauch, doch nach und nach gewann seine Stimme an Kraft. Mandy wollte ihm zuvorkommen, öffnete ihren Mund, doch Lester ließ sie nicht "Nein!" Jeder im Lager zuckte unter diesem Wort zusammen. In ihm lagen eine Intensität, der sich niemand von uns wiedersetzt hätte, doch nicht so Mandy " Du kannst nicht ewig vor deiner Vergangenheit fliehen! Dann bilde deine Armee aus Straßenkindern, um dich wenigstens hier groß und stark fühlen zu können, um nicht auch noch hier der vollkommene Versager zu"
"Verschwinde, und lass dich hier nie wieder blicken, Mandy!"
Einen Augenblick stockte sie, sah in mit großen Augen an, wie als könne sie nicht fassen, was er da gerade gesagt hatte.
"Wie der große Herrscher befielt, ganz zu ihren Diensten", Mandys Stimme war nurnoch ein Zischen, doch Lester hatte jedes Wort verstanden. Langsam, fast schon gemächlich bewegte sie sich durchs Lager, sammelte ihre Sachen ein und blieb dann etwa auf halber höhe von mir stehen. Lester hatte jeden ihrer Schritte verfolgt, wie als wolle er sich den besten Zeitpunkt aussuchen, sich auf sie stürzen zu können.

Da ging alles nurnoch zu schnell. Plötzlich hatte Mandy ihr Messer in der Hand, drehte sich zu Lester um und warf. Ich sah nur das Messer, dessen Scheide matt im Schein des kleinen Feuers glänzte, schickte einen kurzen Impuls zu meinen Muskeln und sprang.
Dann spürte ich etwas bei meiner linken Schulter, hörte einen spitzen Schrei und sah den Boden, wie ich mich ihm in Zeitlupentempo nährete. Kurz schloss ich meine Augen und betete das der Aufprall nie kommen würde, doch vergebens.
Der Aufprall kam und mit ihm Schmerzen, die mich von Kopf bis Fuß erfüllten, sich dann allerdings auf einen Punkt meines Körpers konzentrierten, meine Schulter. Er trieb mir Tränen in die Augen, doch ich traute mich nicht mich zu bewegen, wollte nur das es endete, das die Schmerzen aufhörten. Ich zwang mich krampfhaft einen Atemzug zu machen, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, öffnete meine Augen, durch die ich alles nur sah, wie durch einen dichten Schleier.

Etwas warmes lief mir den Arm herunter, bahnte sich seinen eigenen Weg und ließ sich schließlich auf den Boden fallen. Irgendwo in meiner Nähe spürte ich etwas vertrautes, es flüsterte mir etwas zu, doch ich verstand nichts, so sehr ich mich auch anstrangte. Ein Windhauch fuhr mir durch die Haare, doch auch das konnte ich nicht einordnen. Meine Lippen öffneten sich ein kleines Stück und ich wurde mir der Tränen bewusst, die unaufhaltsam meine Wange herunterflossen. Da setzen sich der Wind und das durcheinander in meinem Kopf zu einem Wort, zu einer, nein seiner Stimme zusammen. Ich hätte sie überall herausgehört, ich trug sie immer bei mir, zusammen mit dem letzen Wort, welche sie gesprochen hatte, Katie. Ich wollte schreien, wollte das er blieb, wollte ihn wieder. Tonlos bildete meine Stimme ein Wort, welches sie in einem Lufthauch, wie ein kleines Papierschiffchen in die Welt hinausschickte: Papa.



Geschrieben von Giotto Nobsche am 27.11.2010 um 22:14:

 

L. I. E. B. E. <3
ich mag es ganz doll und freue mich auf Fortsetzungen ; bin aber dennoch der Meinung das das mit dem Angriff oder was da grade passiert erst etwas später geschrieben.
Aber trotzdem (: ich mag es seehr (:

Lg



Geschrieben von Hidalgo am 26.12.2010 um 21:25:

 

Danke, Caro <3

Und hier dann ein neuer Teil:



Das erste, was ich sah, nachdem ich meine Augen aufgeschlagen hatte, waren die kalten weißen Wände unseres Krankenhauses. Ich kannte diese Wände, hinter ihnen hatte ich das Wertvollste verloren, was es jemals für mich gegeben hatte. Meine Kehle war vollkommen ausgedörrt, doch ich wollte nicht schlucken, wollte mich nicht bewegen, wollte einfach nur verschwinden. Meine Brust hob und senkte sich in einem Rhythmus der mir vollkommen fremd erschien, alles war fremd. Ich war allein und zum ersten Mal wurde ich mir dessen so deutlich bewusst, das ich am liebsten laut losgeschluchzt hätte. Doch ich unterdrückte diesen Impuls, wie auch alle anderen, die mir noch durch mein Gehirn fegten. Meine Gedanken flossen träge wie Lavaströme dahin und ich ließ mich treiben.

Für einen kurzen Moment schloss ich meine Augen, hoffe auf ein neues Zeichen, auf ein Wunder, hoffte, dass er einfach hereinkommen und mich in den Arm nehmen würde. Doch niemand kam, nicht mal eine Schwester um zu schauen, ob ich aufgewacht war.
Plötzlich sehnte ich mich nach starken Armen, die mich vor der Welt in Schutz nahmen, die mir wenigstens die Zeit geben würden meine Tränen, die mir die Wange herab liefen zu trocknen, die mir helfen würden wieder in den Alltag überzugehen. Was war für mich Alltag? Was war für mich zu hause? Ich hatte keins von beidem.

Nach einer halben Ewigkeit drehte ich meinen Kopf leicht zur Seite, um einen Blick auf die Uhr zu werfen. Allerdings gab es keine Uhr und so versuchte ich mich hab aufzurichten. Ein Ziehen in meiner Schulter ließ mich dann allerdings schnell wieder ins Kissen sinken. So blieb mir nichts über als zu warten. Natürlich hätte ich auch eine Schwester rufen können, doch die würde mir auch nicht helfen können.

Da wurde plötzlich die Tür aufgerissen und eine vollkommen entsetzte Noemi stürzte ins Zimmer. Ausdruckslos sah ich, wie sie leise die Tür zu machte und dann vorsichtig auf mein Bett zu kam. "Was hast du gemacht?!?", flüsterte sie, doch ich hielt es nicht für notwendig ihr zu antworten. "Was würde dein Vater nur dazu sagen!", stieß sie noch hervor, bis sie sich auf einen Stuhl im Zimmer fallen ließ. Ja, was würde er sagen? Ich wusste es nicht. Er hätte mich allerdings bestimmt verstanden. Doch Noemi würde mich nie verstehen also hielt ich weiterhin den Mund. "Die Ärzte sagen, dass du bald wieder entlassen werden kannst. Deine Schulterwunde heilt gut. Du musst zwar regelmäßig Medikamente nehmen, aber das kriegen wir schon hin, oder?"
Jetzt erntete sie doch einen seltsamen Blick von mir, seit wann machte die sich denn irgendwas daraus mit mir Smalltalk zu führen? Doch Noemi bemerkte das gar nicht. Sie war mit ihren Gedanken schon wieder bei etwas anderem, das ihr es sogar ermöglichte nicht direkt mit einem Schrei auf mich los zugehen. Irgendwas war da also gehörig falsch gelaufen.

Also sagte eine Weile keiner von uns beiden etwas, bis mein zuständiger Arzt hereinkam. Er bedachte mich mit einem prüfendem Blick, stellte mir ein paar Fragen zu meinem Wohlbefinden, wobei mir jedes Mal klar war, was ich antworten musste, um ihm den Eindruck zu geben, ich wäre schon wieder größtenteils hergestellt. Zum Schluss besah er sich nochmal meine Wunde, drückte Noemi ein Rezept in die Hand, versprach eine Schwester vorbei zuschicken und rauschte mit wehendem Kittel wieder aus dem Zimmer. Diese ließ auch nicht lange auf sich warten und brachte sogar großzügig direkt mein Abendessen mit. `Krankenhausfutter... mjam!´, dachte ich, als ich auf das Essen für einen kurzen Moment betrachtete.

"Hast du keinen Hunger, Katie?", frage Noemi, wohl in der Hoffnung, dass ich endlich mal den Mund aufmachen würde. Doch umso länger ich aufs Essen starrte, umso stärker wurde der Drang das Tablett weg zuschieben und zu fasten. "Die Ärzte sagen, dass du nicht wieder zu Kräften kommst und das sie dich künstlich ernähren müssen, wenn du hier nicht regelmäßig und genügend isst. Dein Körper muss sich um die Wunde kümmern, da ist es die beste Verzögerung für die Wunde, wenn du nichts isst!"
`Aha, interessant, was die Ärzte so alles sagen ... also der Arzt eben kam mir ziemlich wortkarg rüber. ´

"Na ja, du? Ich fürchte ich muss jetzt nach Hause zurück. Aber du wirst dich freuen, wenn du nach Hase kommst, das verspreche ich dir!Aber ich verrate dir nicht, wieso, denn Das ist eine Überraschung!" Sie schenkte mir ein Lächeln und ich schnitt ihr eine Grimasse, was sie wohl als angedeutetes Lächeln empfand.
Doch dann war auch Noemi wieder weg und die Stille stahl sich in mein Zimmer zurück. Um mich wenigstens mit irgendwas zu beschäftigen schaltete ich den Fernseher ein und lehnte mich mit einem seufzen zurück. Das konnten ja noch tolle Tage hier im Krankenhaus werden. Doch was mich in einem kleinen Winkel meines Kopfes beschäftigte, war die Überraschung, die Noemi erwähnt hatte. Abschließbare Fenster, mein Zimmer zum Käfig umgebaut, mit Spalt zum Essen herein reichen?

Doch im Krankenhaus konnte ich ja nicht wissen, dass es noch viel, viel schlimmer war ...



Geschrieben von Nanni am 27.12.2010 um 00:09:

 

Ich finds gut (: Lässt sich angenehm lesen und die Geschichte ist auch interessant... also ich würd mich über mehr freuen (:



Geschrieben von Hidalgo am 16.10.2011 um 01:18:

 

Vielen dank für das Lob, Nanni großes Grinsen

Habe mich nach langer Zeit mal wieder dazu aufraffen können ein wenig weiterzuschreiben smile Vielleicht hat ja noch jemand interesse ;P

(Wenn irgendjemand mit manchen begriffen nicht einverstanden ist, soll er nur kurz Bescheid sagen und dann ändere ich diese um Augenzwinkern )



Die Tage im Krankenhaus zogen sich endlos hin, doch schließlich entließen sie mich endlich wieder. Noemi wartete draußen auf dem Parkplatz in ihrem silbernen Golf. So ließ ich mich mit einem Nicken, das meine Begrüßung an sie war, neben ihr auf den Beifahrersitz fallen. Doch Noemi war eindeutig nervös. Ihre Hände umschlossen das Lenkrad so fest, dass man ihre Knöchel durch ihre Haut hindurch schimmern sehen konnte.
„Ähm ...“, sie räusperte sich und schien mit sich zu ringen, beendete den Satz dann aber so, dass ich wieder genau so schlau war wie vorher, „Na ja, du wirst ja sehen.“
So verbrachte ich meine Zeit damit aus dem Fenster zu starren und mir ihre „Überraschung“ vorzustellen. Wenn es sie so furchtbar nervös machte, was konnte es dann sein? Entweder etwas, wofür ich ihr sofort an die Gurgel springen würde, oder etwas, von dem sie nicht wusste, was ich davon halten würde.
Wollte sie das Haus verkaufen? Hatte sie etwas dazu bauen lassen? Oder versank sie so stark in Schulden, dass sie uns Untermieter besorgt hatte, die den Müll nicht trennten und somit sofort auf ihre Feindesliste gerutscht waren?

Während wir dann in die Auffahrt des alten Herrenhauses einbogen, hielt Noemi die Stille wohl nicht mehr aus. „Er heißt Ian. Sei bitte nett zu ihm.“ „Er?“, entgegnete ich entgeistert und schenkte ihr einen Seitenblick. „Ja, er.“, entgegnete Noemi allerdings nur und stellte den Motor ab. Dann stieg sie so schnell aus dem Auto aus, als ob der Wagen in der nächsten Minute hochgehen würde. Noemi hatte einen Freund? Der jetzt bei uns wohnen wollte? Aber dann wäre sie doch nicht so nervös, oder? Dann wäre sie die strenge Schwiegermutter, die mich nicht mal mit dem Arsch fragen würde, ob ich etwas gegen ihren Kerl hatte. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass Ian, wer auch immer es war, irgendwas mit mir zu tun hatte.

Mit einem seltsamen Gefühl in der Magengrube stiegt ich also ebenfalls aus und folgte Noemi langsam zur Haustür. Gerade als Noemi klingeln wollte, wurde diese allerdings schon von innen aufgerissen, woraus ich schloss, dass Noemi wirklich jemanden gefunden hatte, der sie länger als eine halbe Stunde aushielt.

Doch die kleine, schmächtige Gestalt, die sich durch die Tür schob, war garantiert kein heiß und innig geliebter Kerl.

Ich musste sehr intelligent aussehen, während ich so auf halbem Weg zur Haustür stand und den kleinen Jungen anstarrte, der Noemi zaghaft zur Begrüßung die Arme um ihren massigen Leib schlang. Er hatte eine eher zierliche Gestalt, blonde Locken, die sein eher rundliches Gesicht umrahmten und leicht zusammengekniffene Augen. Sein Mund sah ebenso wie seine Augen so aus, als würde er diesen dauerhaft immer ein wenig zusammenkneifen.

Da bemerkte mich Ian nun auch und musterte mich, während er sich halb hinter Noemi versteckte.
„Katie?“, hörte ich Noemi fragen und da begriff ich. Allerdings war ich viel zu perplex, um nur irgendeine Regung zu zeigen. Das konnte doch wohl nicht deren ernst sein, oder? Da lag ich mal eine Woche im Krankenhaus und schon schaffte die sich nen Adoptivkind an?

„Ian, das ist Katie. Sie ist deine Schwester. Du brauchst keine Angst vor ihr zu haben, sie ist sehr nett. Nicht wahr?“ Der letzte Satz war eine Aufforderung an mich. Nett? Ich? Zu ihr? Zu ihm?

So entschloss ich mich erstmal dazu kommentarlos ins Haus zu gehen. Was besseres fiel mir in diesem Moment einfach nicht ein. Noemi hatte sich diese erste Begegnung zwischen mir und Ian wohl ganz anders vorgestellt, doch ich konnte ihre Erleichterung spüren, dass ich noch nicht an die Decke gegangen war. Zumindest noch nicht.

Im Flur spürte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Das ganze Klima im Haus hatte sich verändert, auf dem Boden lagen ein paar Spielzeuge, mit denen Ian wohl bis kurz vor unserer Ankunft gespielt hatte, es roch sogar irgendwie anders. Und da befiel mich eine düstere Vorahnung.

Mit schnellen Schritten, immer zwei Stufen auf einmal nehmend hastete ich die Treppe herauf, bis ich vor dem alten Arbeitszimmer meines Dads stand. Mit zitternden Händen drückte ich die Klinke herunter und starrte entgeistert auf das, was sich dahinter verbarg.
Niemand hatte etwas in seinem Arbeitszimmer verändern dürfen, selbst geputzt hatte er dort selber. Doch anstatt dem schon leicht angestaubten Sekretärs, der einen sonst begrüßt hatte, stand am anderen Ende des Zimmers ein Bett mit gestreiftem Bezug.
Ein Klos bildete sich in meinem Hals und ich schloss kurz die Augen. Die Schlampe hatte wirklich das für mich heiligste Zimmer im ganzen Haus für diesen kleinen Zwerg in ein Kinderzimmer umgewandelt.
Sie war nicht wegen meiner Reaktion auf Ian so nervös gewesen, sondern auf meine Reaktion darauf, was sie aus dem Zimmer meines Vaters gemacht hatte.

„Das Zimmer hatte nichts davon, die ganze Zeit vor sich hin zu stauben. Vor allem warst du die letzte Zeit sowieso nicht mehr hier und insgesamt nicht mehr in diesem Haus. Ich hab dir die Sachen auch alle in dein Zimmer oder auf den Dachboden gestellt. Nicht eine Staubfluse habe ich weggeworfen oder weggeputzt.“, hörte ich da Noemi hinter mir und fuhr herum.

Meine Augen brannten vor Hass auf diese Frau. Wie hatte sie es wagen können? Meine Hände hatten sich automatisch zu Fäusten geballt und ich war kurz davor auf Noemi loszugehen. Diese fuhr auch sofort zurück, als ich ihr in ihre kleinen kugeligen Augen blickte.
„Das wirst du bereuen. Es ist echt traurig, dass mein Vater auf dich hereingefallen ist. Er hat irgendwas an dir gesehen, für das ich anscheinend blind bin. Und du? Kaum ist er tot, holst du dir ein Kind ausm Kinderheim, obwohl du es nicht mal schaffst mich in irgendeiner Weise ...“ , ich brach ab. Was tat ich überhaupt noch hier? Noemi schien, als würde sie etwas erwidern wollen, doch bevor ich restlos ausrasten konnte, schob ich mich an ihr vorbei, schnappte mir meine Jacke und ging die Treppe wieder herunter.

Doch ich hatte nicht mit Ian gerechnet, der sich mit einem selbstsicheren Gesichtsausdruck im Haustürrahmen breit machte.
„Du darfst nicht vor dem Essen raus gehen! Ich darf das auch nicht. Und außerdem hast du dir, seitdem du wiedergekommen bist noch nicht die Hände gewaschen. Ich bekomme dafür immer Ärger. Und dich mir vorgestellt oder irgendwie nett zu mir ist du auch noch nicht gewesen.“
Seine Stimme war noch ätzender als sein Gesichtsausdruck. Dazu kam noch, dass er seinen Mund beim sprechen seltsam verzog.
„Ach wirklich?“ , ich zog eine Augenbraue hoch, „Und wie willst du Knirps mich daran hindern? Weißt du, so ein Messer in der Schulter stecken zu haben ist sehr schmerzhaft. Ich glaube nicht, dass du das unbedingt ausprobieren möchtest.“
„Das würdest du sowieso nicht machen. Noemi hat gesagt du wärst nett. Die Mädchen im Heim haben auch immer so leere Drohungen gegen mich ausgesprochen, aber ich konnte immer rechtzeitig die Aufpasserin informieren und dann haben die Mädchen kein Abendessen bekommen.“
„Das ist ja toll. Sei stolz drauf. Schade, dass sie dir nie eine richtige Abreibung verpassen konnten. Aber allein, dass sie es versuchen wollten macht sie mir gleich sympathisch. Und jetzt geh mir aus dem Weg, du Ratte!“
„Nein, werde ich nicht. Und dagegen kannst du absolut gaaarnichts machen.“
Oh, und wie ich das konnte. Hätte ich jetzt mein Messer dabeigehabt, hätte ich das ganz dicht vor seinen grauen Augen aufschnappen lassen. Das zeigte schon bei manchen größeren Jungen eine große Wirkung. Doch das lag zusammen mit meinem sonstigen Zeug im Lager.
So beschränkte ich mich auf ein erneutes Augenbrauen hochziehen, packte mit meiner Rechten Hand seinen rechten Arm und drehte ihm diesen, während ich mich an ihm vorbei schob auf den Rücken. Dann versetzte ich ihm noch mit meinem Ellbogen einen Stoß in den Rücken, der ihn ein Stück ins Haus hinein stolpern ließ.
Während ich dann den Weg zum Tor wieder herunterging, den ich erst vor knappen 5 Minuten hoch gelaufen war, drehte ich mich nochmal zu dem Knirps um. Denn ich konnte es mir einfach nicht verkneifen ihm noch einen Spruch zum Abscheid zuzurufen, bevor ich mich auf den Weg zum Lager machte: „Wäre ich deine Mutter gewesen, hätte ich dich auch ins Heim abgeschoben!“



Geschrieben von TeKi1792 am 05.07.2012 um 20:02:

 

Ist zwar schon länger her das Ganze, aber selbst ich habs jetzt mal mitbekommen.xD Richtig tolle Geschichte, schade, dass du anscheinend nicht mehr weiterschreibst ... smile
Lg


Forensoftware: Burning Board, entwickelt von WoltLab GmbH