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Geschrieben von Sidney am 18.11.2009 um 14:19:

  Ride on ["Song-Fic", Original; Shonen-Ai, Krimi] - Kapitel V/2

Titel: Ride on
Autor: Sidney
Genre: Original, "Song-Fic"
Warnungen: Shonen-ai, Krimi
Disclaimer: Leider verdien ich kein Geld mit dieser Story, aber wer weiß, vlt wirds ja irgendwann was.
Anmerkung: Namensgeber für diese Story war der Song Ride on von ASP. Er befindet sich auf dem Humility-Album und löst in mir immer eine ganz bestimmte Sorte von Gefühle auf. Als ich den Song derletzt erst wieder gehört hab, kam diese Geschichte in mir auf.


Ride On geht online!




Ride on



Erstes Buch
I - Vergiss nie, dass ich dich liebe.



"Ich werde bei dir bleiben.”
Die wohl schönsten Worte meines Lebens. Ich werde bei dir bleiben. So einfach, so simpel und doch veränderten sie alles. Sie nahmen mir die Ungewissheit, die Angst vor der Zukunft und die Zweifel. Endlich konnte ich mir sicher sein – ich wurde geliebt, ich war nicht allein.

Doch es sollte nicht so einfach sein.

~*~

Ich saß an meinem Klavier und klimperte vor mich hin. Die Melodie strotzte nur so vor Fehlern, sodass man sie nur mit Ach und Krach als eine von Bachs Symphonien erkennen konnte. Eigentlich war ich viel zu durcheinander um zu spielen. Meine Gedanken drehten sich im Kreis und dennoch war dies die einzige Möglichkeit um meine zitternden Hände unter Kontrolle zu bringen.
Wie oft hatte ich von diesem einen Moment geträumt? Wie oft hatte ich mir vorgestellt, diesen Menschen näher bei mir zu haben und keine Theke zwischen uns sehen zu müssen?
Unzählige Male war ich in diese Bar gegangen, hatte diesen Menschen nie gesehen, nicht wahrgenommen. Und doch, ich hatte immer dieses seltsame Gefühl eines stechenden Blickes im Rücken. Drehte ich mich aber um und versuchte die Ursache ausfindig zu machen, konnte ich niemanden sehen. Bis vor drei Monaten. Da entdeckte ich ihn. Einen jungen Mann, schön, unnahbar, umringt von Männern, die ihn lüstern begafften und ihm scheinbar Geld für Dinge boten, von denen ich nichts wissen wollte.
Mir fiel auf, dass seine Haare bläulich schimmerten, wenn er sich drehte. Sie waren schulterlang und im Nacken zu einem kurzen Zopf zusammen gebunden. Bei jedem anderen hätte es lächerlich gewirkt, aber bei ihm schmiegten sich die einzelnen Härchen sanft an seinen Hals, ließen ihn graziös, zerbrechlich und unglaublich zart wirken. Seine wahnsinnig helle Haut stach in der Dunkelheit des Clubs hervor und hob ihn von den anderen ab.
Es war mir unbegreiflich, warum er mir nicht schon früher aufgefallen war. Vor allen Dingen verstand ich es noch weniger, als ich einmal nah genug an der Theke stand um seine Augen bewundern zu können. Sie strahlten grün. Zumindest als er mir direkt in die Augen sah. Im nächsten Moment waren sie von einem tiefen blau durchzogen. Er hatte sich ein wenig zur Seite gedreht und gestikulierte wild in die Richtung eines Typen, der im Stil eines Masochisten aus der SM-Szene gekleidet war. Seine Augen waren leicht zusammengekniffen und um seinen Mund – oh seinen wunderschönen Mund, seine vollen Lippen – hatte sich ein harscher Zug gebildet. Warum auch immer er diesen Mann so ansah, ich hoffte inständig, dass ich nie der Grund dafür sein würde. So schön er auch war, so sehr schmerzte es mich tief in meiner Seele, wenn er so schaute. Ich verstand nicht, warum ich so empfand, warum seine Blicke, seine Handlungen, seine Mimik mich so sehr beeinflussten.

Ab diesem Moment verbrachte ich meine gesamte Freizeit in diesem Club. Ich hatte absolut keine Ahnung, welcher Teufel mich ritt, was mich dazu bewegte, jeden Abend zwölf Euro für den Eintritt zu bezahlen und mich dann die gesamte Nacht mit Mineralwasser halbwegs fit zu halten.
Am Anfang war es die Hölle. Ich war es nicht gewohnt, bis morgens um vier in einem Club auf meinem Hintern zu sitzen und mir jeden einzelnen Mann anzusehen. Mein Herz klopfte schwer in meiner Brust und drohte mir meine Rippen zu sprengen. Es tat weh, wenn er nicht da war. Und es setzte aus, wenn er zur Tür rein kam, strahlend, immer lächelnd. Seine Kollegen wurden in die Rippen geknufft, er hatte für jeden ein freundliches Wort. Nur nicht für mich. Zu weit saß ich von ihm entfernt, zu weit, als dass er mich jemals bemerken könnte.
Betrübt ließ ich den Kopf hängen, erhaschte immer mal wieder einen Blick auf seine Hand, wenn sie einem Gast das Getränk reichte. Ich sah seinen Oberkörper unter dem knallengen Chiffon-Oberteil, seinen durchtrainierten Bauch und ich wünschte mir nichts sehnlicher als mit den Fingerspitzen die Konturen seiner Muskeln nachzufahren. Ich wünschte mir so sehr, mit der kecken Haarsträhne zu spielen, die sich immer aus seinem Zopf löste und ihm frech ins Gesicht hing.



Geschrieben von Nanni am 18.11.2009 um 20:38:

 

Bei dem Teil mit seinen Augen stört mich das zweimal hintereinander Augen kommt, vl kannst du das im zweiten Satz irgendwie ausbessern, aber ansonsten ist es schön flüssig geschrieben.
Mich verwirren nur anfangs die Zeitsprünge, der erste Absatz, dann am Klavier und in Gedanken im Club, das ist schon eine ganze Menge.
Vom Inhalt her - das Krimi macht mich irgendwie skeptisch, bin kein großer Krimifan, aber irgendwie macht's mich auch neugierig (:
LG Nanni



Geschrieben von Sidney am 02.12.2009 um 13:36:

 

@Nanni, naja ich steh auf Krimis *g* Freu mich, wenn du weiterliest.

Erstes Buch
I - 2


Nach wie vor hatte ich dieses unbändige Gefühl beobachtet zu werden. Auch wenn ich den Grund noch immer nicht ausfindig machen konnte. Jedes Mal, wenn ich mich nach der Ursache umdrehte, bemerkte ich ihn. Meist stand er an der Bar und bediente irgendwelche Gäste. Aber nie, gar nie, sah er mich an oder beobachtete mich gar. Es war mir unverständlich, denn jedes Mal, wenn ich in diesen Club kam und mich nach ihm umsah, konnte ich ihn nicht entdecken. Sobald in mir aber das Gefühl des Beobachtetwerdens aufkam und mich umdrehte, da bemerkte ich ihn dann plötzlich. Irgendwann kam mir der Verdacht, dass er der Grund für dieses Gefühl war. Doch so sehr ich auch die Augen offen hielt, ich bekam einfach keine Bestätigung. So ging es also weiter.
Abend für Abend ging ich in diesen Club, solange, bis ich seine Arbeitszeiten raus gefunden hatte. So konnte ich an den Tagen, an denen er nicht arbeitete, zu Hause bleiben.
Doch anstatt etwas Ruhe zu finden, nach all den durchgemachten Nächten tigerte ich wie eine nervöse Katze in meinem Haus auf und ab. Immer wieder setzte ich mich auf meinen Klavierhocker, nur um im nächsten Moment wieder aufzuspringen. Mir ging dieser Mensch einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ständig musste ich an ihn denken, erinnerte mich in allen Einzelheiten an die Kleidung, die er zur Arbeit trug, Kleidung, die seinen wahnsinnig schönen Körper noch unterstrich. Oh, er sah bestimmt in Allem gut aus. Wahrscheinlich könnte er sogar in einem Müllsack in den Club kommen und er würde selbst dann noch die Blicke sämtlicher Männer und Frauen auf sich ziehen.
Frauen. An diesem Punkt meiner Gedanken wäre ich am Liebsten jedes Mal mit dem Kopf durch die Wand. Während ich ihn von einem entlegenen Platz aus beobachtete, fielen mir des Öfteren Frauen auf, die sich an der Bar aufhielten. Meist war es ein ganzes Rudel – gab es dafür einen Grund, oder rannten Frauen pauschal in Rudeln durch die Clubs? Es war mir jedenfalls unverständlich, warum er ihnen überhaupt Beachtung schenkte. Er sollte doch eigentlich mich ansehen. Zumindest war das der Gedanke, der mir in meiner Einbildung gefiel.
Genau, was wäre, wenn er jede dieser Frauen ignorierte und nur Augen für mich hätte?
Was wäre, wenn er die Theke Theke sein lassen würde und zu mir käme?
Was wäre, wenn er sich mir gegenüber setzen würde um mit mir etwas zu trinken?
Was wäre, wenn er nach seiner Schicht mich draußen vor dem Club abfangen würde?
Aber dem war nicht so.
Stattdessen unterhielt er sich mit den Frauen. Bald hatte ich sein Schema raus. Anfangs redete er mit jeder aus dem Rudel, machte ihr scheinbar Komplimente, lachte mit ihr. Doch dann pickte er sich eine raus. Ich bildete mir ein, das mädchenhafte Kichern bis zu mir an meinen Platz zu hören, was dank der überdimensional lauten Musik eigentlich unmöglich sein sollte.
Ihre Gesichter röteten sich, wenn er sich zu ihnen über den Tresen beugte und ihnen ein Glas hinstellte. Wie zufällig berührten sich dann ihre Finger und die Frauen schlugen die Augen nieder und kicherten.
Wenn er ein paar Minuten Zeit hatte, kam er immer wieder zu der Frau zurück, die er sich rausgesucht hatte. Er machte ihr schöne Augen – und ja, seine Augen waren wirklich schön.
In mir kochte es. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und nicht selten wand ich den Blick von dem turtelnden Pärchen ab.
Gegen Ende seiner Schicht war er meist verschwunden und die Frau blieb enttäuscht zurück.
Bis zu einem Abend. Er hatte sich wieder ein Objekt ausgesucht – eine Frau mit relativ stattlichem Vorbau, vollem Mund und langen, feuerroten Haaren – doch anstatt sie abblitzen zu lassen, flüsterte er ihr kurz vor seiner Pause etwas ins Ohr. Sie wurde rot, nickte und wand sich dann wieder ihrem Drink zu.
Als er dann in seine Pause verschwand, zwinkerte er ihr zu, sie stand auf und folgte ihm – scheinbar unauffällig – durch die Hintertür. Ohne es bemerkt zu haben, hatte ich meine Fingernägel in die Sitzfläche meines Hockers gekrallt. Mir war der Schweiß ausgebrochen und meine Zunge fühlte sich an wie Schmirgelpapier. Ich saß wie auf Kohlen und hoffte inständig, dass er nur kurz auf die Toilette ging, dass er in ein paar Sekunden wieder zurück sei. Doch er kam und kam nicht.
Nach einer halben Stunde – das Ende seiner Pause war bereits seit fünf Minuten vorbei – kam er wieder in den Club zurück. Er sagte was zu einem seiner Kollegen, dieser klopfte ihm auf die Schulter und lachte. Die Frau mit den roten Haaren war nicht wieder zurück gekommen.
Und ab da verzog er sich an jedem Abend, an dem er arbeiten musste, in seiner Pause mit irgendeiner Frau in den Hinterhof. Mir drehte sich jedes Mal der Magen um, wenn ich diese Frauen sah. Meist waren es Frauen, die schon seit eh und je in diesen Club kamen. Aber danach hatte ich sie nie wieder gesehen. Aus welchem Grund auch immer.
Nur, warum tat er das? Ich saß auf meinem Hocker und beobachtete, wie er mit irgendwelchen Frauen verschwand. Es zerriss mir fast das Herz. Ich entfernte mich immer weiter, versuchte eine größere räumliche Distanz zwischen ihn und mich zu bekommen. Doch anstatt an den Abenden einfach zu Hause zu bleiben, kam ich dennoch in diesen Club. Ich musste ihn einfach sehen. Sein Anblick löste etwas in mir aus, etwas schon lange Vergessenes.

Die Tatsache, dass er sich mit diesen Frauen traf, löste eine Veränderung in mir aus. Sie brachte mich dazu, mich abends wieder an mein Klavier zu setzen und zu spielen. Etwas, das ich seit dem Tod meiner Frau lange nicht mehr getan hatte. Ich spielte wieder Mozart und Beethoven. Früher hatte ich immer an meine Frau denken müssen und daran, wie ich sie blutüberströmt in ihrem zerquetschen Auto liegen sah. Doch jetzt musste ich daran denken, wie dieser Mann, dieser so wunderschöne Mann, an jedem seiner Arbeitstage mit einer dieser Frauen verschwand.



Geschrieben von Sidney am 07.12.2009 um 17:14:

 

*mal hochschubst*



Geschrieben von Kruemelkeks am 07.12.2009 um 20:05:

 

Also definitiv ein ziemlich gutes Schreiben, auch wenn bisher nicht viel passiert ist fesselt es mich momentan noch und ich will wissen, was mit diesem geheimnisvollen Typen ist.
Jedoch könnt ich mir vorstellen, dass das im weiteren verlauf schnell überreizt wird...
Aber ich bin gespannt darauf wie es weitergeht, ist mal was ganz anderes zu lesen und ich werd auf jeden Fall weiter reinschauen ;-)



Geschrieben von Sidney am 07.12.2009 um 22:43:

 

Erstes Buch
I - 3


An jenem verhängnisvollen Abend stand ich vor meinem Kleiderschrank und überlegte fieberhaft, was ich anziehen sollte. Meine beste Freundin hatte mir geschworen, dass wir demnächst eine Shoppingtour machen würden. Aber ich war ein Einkaufsmuffel, so hatte es sich also noch nicht ergeben neue Klamotten kaufen zu gehen. In diesem Moment vor meinem Kleiderschrank bereute ich es zutiefst, nicht mit Emily shoppen gegangen zu sein.
Aus irgendeinem Grund benahm ich mich wie ein 16-jähriger Teenager kurz vor seinem ersten Date.
»Du gehst doch nur in diesen Club.«, sagte ich zu mir selbst. »Sonst nichts.«
Doch so einfach war es leider nicht. Ich würde ihn wieder sehen. Zwei Tage war ich daheim rum gesessen, weil ich genau wusste, dass er frei haben würde.
»Beruhig dich endlich!«, schimpfte ich mit meinem Spiegelbild, zerrte ein ärmelloses, schwarzes Shirt aus dem Schrank, nur um es im nächsten Moment in eine Ecke zu pfeffern.
Wie um mir zu zeigen, dass ich nicht schon gestresst genug war, klingelte in diesem Augenblick das Telefon. Ich schreckte zusammen, ließ das dunkelblaue T-Shirt fallen, das ich gerade aus dem Schrank gezogen hatte und hechtete über das Bett. Mit einem leisen pffft entwich die Luft aus meinen Lungen, als ich hart auf meiner Matratze landete. Fast wäre ich aus dem Bett gefallen, als ich während der Landung versuchte nach dem Telefonhörer auf dem Nachttisch zu greifen.
»Ja?«, keuchte ich in den Hörer und schnappte nach Luft.
»Chris? Ich bin’s, Emily.«, ertönte die Stimme meiner besten Freundin.
Ich konnte nicht verhindern, dass mir ein Seufzen entwich. So sehr ich diese Frau auch mag, manchmal rief sie in den ungünstigsten Moment an.
»Würdest du mir bitte aufmachen? Ich glaube, du hast wieder den Schlüssel stecken lassen.«, meinte sie.
Da fiel mir auf, dass scheinbar schon seit fünf Minuten jemand vergeblich an meiner Haustür rüttelte. Ich grinste.
»Ja, warte, ich komm vor.«, erwiderte ich, legte ohne ein Wort des Abschieds auf und kroch vom Bett.
Dann ging ich aus dem Schlafzimmer durchs Wohnzimmer in den Flur. Durch den geriffelten Glaseinsatz in meiner Haustür konnte ich Emilys Schemen erkennen. Sie wechselte von einem Fuß auf den anderen. Scheinbar war sie nervös. Abermals musste ich grinsen. Warum sollte es ihr besser gehen als mir? Schließlich war sie meine beste Freundin und mir war es nur recht, wenn sie auch nur ein klein wenig so litt wie ich.

Ich öffnete ihr die Tür und ehe ich mich versah, hatte ich eine zierliche, dunkelhaarige Frau an meinem Hals hängen, die mich fast umwarf. Auch wenn Emily gut ein bis zwei Köpfe kleiner war als ich, war sie ein sehr quirliger Mensch.
»Oh Chris, gut, dass du da bist.«, rief sie aus, ließ von mir ab und stürmte in mein Haus.
»Hallo, ja mir geht’s gut und dir?.«, fragte ich die noch immer offen stehende Haustür.
»Ja ja, schon gut. Jetzt komm endlich, ich muss dir was erzählen.«, rief sie aus meinem Wohnzimmer.
Ich machte die Haustür zu und verdrehte die Augen. Eigentlich wollte ich in zwanzig Minuten los. Denn in einer halben Stunde würde die Schicht des absolut attraktivsten Mannes auf Erden beginnen.

Anschließend gesellte ich mich zu Emily ins Wohnzimmer.
»Was wolltest du mir erzählen? «, fragte ich sie lustlos.
»Du wirst es nicht glauben… Sag mal, warum hast du nur ein Handtuch um? «, unterbrach sie sich selbst.
Ich sah an mir herunter und stellte fest – sie hatte Recht. Ich hatte wirklich nur ein Handtuch um. Natürlich. Schließlich war ich frisch aus der Dusche gekommen und wollte mich fertig machen, damit ich in den Club gehen konnte.
»Na ja, ich möchte eigentlich noch fort gehen.«, sagte ich und biss mir im nächsten Moment auf die Zunge.
Fehler.
Meiner.
Wenn ich nachher in den Club gehen will, dann will ich da auch alleine sein. Ich möchte mich in Ruhe den Gefühlen hingeben, die dieser Mann bei mir auslöst, die Eifersucht, die Freude, das Herzklopfen. All das will ich allein erleben, ohne, dass Emily bei mir sitzt und mich fragt, was los ist.
»Hast du was dagegen, wenn ich mitkomme? Ich möchte dir dringend was erzählen. Außerdem siehst du so aus, als brennt dir auch was auf der Seele.«



Geschrieben von Kruemelkeks am 08.12.2009 um 17:44:

 

Insgesamt gefällt mir der Abschnitt wieder, es kommt einiges an Leben rein ;-) Was mich kurzzeitig irritierte: Emily wirkt eher wie anfang/mitte 20 und da Chris ja anscheinend schon eine Frau verloren hat, müsste er theoretisch wesentlich älter sein... soweit nur kurz dazu ^^

Weiterer kleiner Geschmackspunkt:
"Mit einem leisen pffft entwich die Luft aus meinen Lungen, als ich hart auf meiner Matratze landete. "

Ich mag dieses pfft nicht so wirklich... diese "Lautsprache" stört mich in Geschichten dann doch eher, mir würed zum beispiel die Umschreibung durch "mit einem leisen Zischen" oder so besser gefallen... aber wie gesagt, geschmackssache ;-)

Ansonsten freu ich mich auf mehr fröhlich

P.S.: Woher kommst du in etwa? Da sind einige Wendungen drin, die ich eher aus dem Südlicheren Teil Deutschlands oder der Schweiz kenn...wie z.B. fort gehen anstelle von ausgehen oder auch war daheim rum gesessen



Geschrieben von Sidney am 08.12.2009 um 20:39:

 

*lacht* Ausgehen ist schweizerdeutsch^^
Ja ich bin aus dem südlichen Teil Deutschlands. Aus den Untiefen des Ländles... Im Herzen Baden-Württembergs xD

Danke für deine Kritik. Das mit dem Alter klärt sich noch. Aber das dauert etwas. Ich stell sowas nicht gerne an den Anfang.



Geschrieben von nymphy am 08.12.2009 um 22:34:

 

Du hast eine tolle Art Dinge zu beschreiben smile Mir gefiel schon die Beschreibung von dem Kerl ^^
Es kommt total lebensecht rüber ^^ gefällt mir smile aber Shonen Ai?
^^ ich liebe Shonen Ai Mangas Zunge raus habs jetz nur überflogen ^^ den letzen Teil... wären die Abschnitte nich so riesig Zunge raus
Gb ?

achja
erst is das t-shirt schwaru? dann dunkel blau?^^



Geschrieben von Sidney am 09.12.2009 um 00:38:

 

Hey ihr zwei, danke für eure Kommentare. Ja, die Beschreibung von John und auch die von Chris sind mir sehr leicht von den Fingern geflossen. Nur Emily kam erst später. Aber dafür mag ich Emily auch total gern.

@Nymphy, magst du mir die Stelle raussuchen? Ich läster immer über die nicht vorhandene Kontinuität bei Filmen und mach dann solche Fehler in ner Geschichte... *peinlich* xD

So, nächster Teil, diesmal etwas länger



Erstes Buch
I - 4




Ich stöhnte innerlich. Das hatte mir gerade noch gefehlt, eine Pseudopsychiaterin auf den Spuren meiner Seele.
»Nein, bei mir ist alles in Ordnung. Aber würde es dich stören, wenn wir nach nebenan gehen? Dann kann ich mich nebenher noch fertig machen.«, schlug ich vor und stand auf.
Emily nickte und erhob sich ebenfalls, dann gingen wir zusammen in mein Schlafzimmer. Als ich durch die Tür trat, traf mich fast der Schlag. Hatte ich ein paar Minuten zuvor wirklich so ein Chaos angerichtet? Es schien fast so.
Ein Seufzen entwich meinen Lippen. Zum Aufräumen hatte ich jetzt weder die Lust noch die Zeit. Also stellte ich mich abermals vor den Kleiderschrank und begann meine restlichen Klamotten durchzuwühlen. Emily erzählte mir unterdessen von einem Typen, den sie über das Internet kennen gelernt hatte. Sie hatten sie offenbar schon ein, zweimal getroffen und er musste scheinbar ein ganz sympathischer Typ sein. Er hatte sie gefragt, wie spontan sie sei und sie hatte, in ihrem kopflosen Eifer, gesagt, dass es keinen spontaneren Menschen als sie gäbe. Daraufhin hatte er sie auf die Malediven eingeladen und sie hatte zugesagt. Jetzt bekam sie ein ungutes Gefühl.
»Hör mal Em, wenn du dich nicht auf etwas einlässt, dann findest du nie einen Kerl.«, erklärte ich ihr aus dem Schrank.
Ausgerechnet ich musste ihr Ratschläge geben, traute ich mich doch selbst nicht einen Mann anzusprechen. Ich war Gott froh, dass ich mich nicht selbst sehen konnte. Was würde ich nur für ein lächerliches Bild abgeben, ich, wie ich mit meinem halben Oberkörper in meinem Kleiderschrank steckte auf der Suche nach ein paar halbwegs vernünftigen Klamotten und meiner besten Freundin versuchte klarzumachen, dass sie nur gewinnen konnte, wenn sie etwas riskierte. Dabei war doch eigentlich ich derjenige, der Hilfe brauchte.
»Chris, ich weiß ja nicht, wo du hingehst, aber wie wäre es damit?«, riss mich Emily aus meinen Gedanken.
Ich kroch aus dem Schrank und wand mich ihr zu. Irgendwie hatte sie das ultimative Talent es innerhalb von fünf Minuten zu schaffen, was ich in zweistündiger Arbeit nicht fertig gebracht hatte: Sie hatte mir ein vollständiges Outfit gezaubert.
Staunend schloss ich meinen Mund wieder und begann mich anzuziehen. Emily hatte einen wahrlich guten Geschmack. Sie hatte mich kurzerhand in eine knallenge schwarze Jeans verfrachtet. Dazu das ärmellose Shirt, das ich zuvor achtlos in eine Ecke geschmissen hatte. Dann hatte sie mir noch das Lederband von der Kommode genommen, welches ich mir jetzt um den Hals legte. Emily stand auf und kam auf mich zu. Kurzerhand fuhr sie mir durch meine Haare und brachte mir die zuvor so sorgsam gekämmten Strähnen durcheinander. Jetzt sah ich aus, als wäre ich direkt aus dem Bett geklettert.
»Perfekt.«, meinte sie und begutachtete ihr Werk.
Ich drehte mich zu meinem Spiegel und staunte nicht schlecht. Wie schaffte sie es nur, aus einem Haufen wahllos durcheinander geworfener Klamotten ein perfektes Outfit zu zaubern? Die Antwort auf diese Frage blieb mir wieder verwehrt. Aber zumindest war ich nun startklar.

»Kommst du?«, fragte ich sie.
Auch wenn sie sich selbst eingeladen hatte, wollte ich sie nun doch dabei haben. Vielleicht könnte sie mir auch bei diesem Kerl aus dem Club behilflich sein. Obwohl ich noch keinerlei Ahnung hatte, wie sie wohl darauf reagieren würde, wenn sie erführe, dass ich auf einen Mann stand.
Fehler.
Meiner.
Seit ich mich in diesen Typen verguckt hatte, hatte ich mir jeden Gedanken an einen möglichen Grund für diese Tatsache verboten. Ich wollte nicht wissen, warum ich mich verliebt hatte. Ich wollte noch viel weniger davon Kenntnis nehmen, dass er ein Mann war – und ich auch. Geschweige denn interessierte es mich, dass ich bislang nahezu jeden Abend in diesem Club verbracht hatte und Unsummen an Geld nur für den Eintritt bezahlt hatte.
Denn sobald ich anfing nachzudenken, musste ich mir eingestehen, dass ich für einen Mann Gefühle hegte. Einen Mann! Das würde bedeuten, dass meine Gedanken anfingen Kreise zu ziehen. Kreise in Gefilde die mir nicht gefallen würden. Nein, ich wollte nicht darüber nachdenken, eventuell schwul zu sein, ich wollte auch nicht darüber nachdenken, was das für meine Umgebung bedeuten würde. Noch weniger wollte ich darüber nachdenken, was meine Eltern davon halten würden.
Fehler.
Meiner.
Ich dachte jetzt doch darüber nach. Vielen Dank auch Emily! Ich schalt mich selbst einen Idioten, griff nach meiner Lederjacke und sah meine beste Freundin erwartungsvoll an.

Emily kam auf mich zu. Ihre Wangen waren leicht gerötet. Aus welchem Grund auch immer sah sie mich nicht an.
»Stimmt was nicht?«, fragte ich sie verdutzt.
»Nein, alles in Ordnung.«, erwiderte sie und schielte dabei auf das Handtuch, das nun am Boden lag.
Mein Handtuch, das am Boden lag. Natürlich. Schließlich hatte ich geduscht. Dann war Emily gekommen und hatte mir bei meiner Kleiderauswahl geholfen. Anschließend hatte ich mich in meinem Schlafzimmer angezogen.
Verdammt. Ich hatte mich in meinem Schlafzimmer angezogen während Emily noch da war. Mir fiel die Kinnlade bis in den Keller. Wir waren zwar seit dem Kindergarten die besten Freunde, aber ich hatte mich noch nie vor ihr ausgezogen. Daran erkannte ich, dass ich scheinbar doch sehr kopflos war. Und das alles nur wegen einem Kerl!
Plötzlich musste ich lachen. Wenn Emily erfahren würde, dass ich auf einen Typen stand, würde sie sich noch mehr schämen. Sie würde sich allein für den Gedanken, der jetzt in ihrem Hirn herumspukt, schämen.
»Idiot.«, rief sie und knuffte mich in die Seite.

Endlich saßen wir in meinem Auto und fuhren zu diesem Club. Emily war immer noch still und hochrot. Es war ihr offenbar peinlich.
»Hey, das muss dir nicht peinlich sein, Em.«, sagte ich und grinste sie an.
»Ich sagte doch, alles in Ordnung.«, nuschelte sie und wurde noch eine Nuance röter.
Ihr Kopf glich nun einer überreifen Tomate und ich musste mir das Lachen verkneifen.
Ich parkte den Wagen in einer Seitenstraße und stieg aus. Dann hielt ich ihr die Tür auf und half ihr beim Aussteigen. Als ich ihr den Arm um die Schultern legte, versteifte sie sich kurz, entspannte sich aber wieder. Sie war wieder ganz die Alte. Ich grinste.

Zusammen machten wir uns auf in den Club. Meine Augen suchten schon automatisch die tanzende und wogende Menschenmenge ab. Ab und zu, wenn an der Bar nicht viel los war, dann kam er auf die Tanzfläche und tanzte ebenfalls. Seine Bewegungen glichen denen eines Gottes, eines dunklen Fürsten.
Doch heute hatte ich Pech. Je weiter wir in Club vordrangen, desto voller wurde es.
Schließlich entdeckte ich ihn an der Bar. Er war umringt von Menschen, die eine kurze Pause vom Tanzen machten und sich einen Wodka nach dem anderen in die Rachen kippten. Oder von Frauen, die an ihrem Martini nippten und ihm lüsterne Blicke zuwarfen. Doch dieses einen Mal war er nicht am Flirten. Er hatte alle Hände voll zu tun, die Masse zu bedienen.
Mein Herz machte einen freudigen Hüpfer. So voll, wie es heute Abend war, würde er nicht dazu kommen eines dieser Weiber abzuschleppen. Unweigerlich grinste ich.
»Was ist denn los? Du strahlst so.«, wollte Emily wissen.
»Ach nichts.«, murmelte ich mit einem noch breiterem Lächeln im Gesicht.
»Sag schon, hast du jemanden gesehen?«, hakte sie nach.
Ich nickte, dann schüttelte ich den Kopf und als mir die Unnötigkeit dieser Aktion bewusst wurde, zuckte ich lächelnd mit den Schultern.
»Ok Chris, es reicht. Seit Tagen bist du nicht zu erreichen und wenn doch, dann hast du eine Laune zum davonlaufen. Und jetzt gehen wir in diesen Club und plötzlich strahlst du. Was ist los? Ist es wegen dem Typen an der Bar?«, riet sie ins Blaue.
Doch sie trag genau. Ich zuckte zusammen, doch das Lächeln wurde noch breiter.
»Oh Chris, warum hast du mir das nicht gesagt?«, bohrte sie weiter.
Emily konnte so wahnsinnig hartnäckig sein
»Weil ich selbst nicht genau wusste, was los was.«, meinte ich und schob sie in Richtung eines leeren Tisches, was angesichts dieser Menschenmenge nahezu unmöglich schien.
»Hast du ihn angesprochen?«
Hielt sie mich für bescheuert? Nach all dem, was ich schon gesehen habe, würde ich ihn nicht ansprechen. Niemals! Und das sagte ich ihr auch.
»Ich bin doch nicht lebensmüde.«, erwiderte ich.

Emily schüttelte den Kopf. Dann wand sie sich zur Bar um und binnen Sekunden war sie verschwunden. Mir rutschte das Herz in die Hose. Doch so sehr ich auch nach ihr Ausschau hielt, dieses zierliche Wesen konnte ich einfach nicht mehr erkennen. Emily war unberechenbar. Wenn sie es sich jetzt in den Kopf gesetzt hatte, ihn anzusprechen, dann war ich ein toter Mann. Ich betete inständig. Doch tief in mir wusste ich, dass es vergebens war.
Seufzend vergrub ich mich in meinen Armen und wartete, bis sie von ihrer apokalyptischen Aufgabe zurück kam.



Geschrieben von nymphy am 09.12.2009 um 18:40:

 

Ne schon gut ^^ er hat es in die Ecke gepfeffert Zunge raus

sehr gut smile nur dieses
Fehler.
Meiner.
Stört unglücklich besonders das es gleich zweimal drin vorkommt..
was auch etwas zu schnell ging, dass sie es einfach so hinnimmt das er was von nem kerl willl.. wenigsten fragen wie lange schon un so^^ oder sowas in der richtung



Geschrieben von Sidney am 09.12.2009 um 18:44:

 

*lacht* danke

Dieses
Fehler.
Meiner.
wird allerdings noch einige Male vorkommen. Das gehört irgendwie in die Geschichte rein^^

Und bei Emily muss man etwas geduld haben. Ihre Beweggründe sind nicht immer offensichtlich.



Geschrieben von Kruemelkeks am 09.12.2009 um 19:11:

 

Hihi gerade dieses "Fehler. Meiner." hat ihn mir nochmal um einiges symphatischer gemacht, ich weiß auch nicht... einfach so dieses Gedankensprunghafte... mag ich.

Ich muss aber insgesamt sagen, dass mir der Teil am besten bisher gefallen hat... Emely bringt so eine Leichtigkeit herein, so etwas "tänzelndes", ich kann es leider nicht besser beschreiben, was ihn entspannter erscheinen lässt und ich dadurch etwas besseren Zugang zu seinem Charakter finden kann... geht vielleicht aber auch nur mir so.

Freu mich also auf mehr und ich bin sehr gespannt was der Wirbelwind nun anstellt...



Geschrieben von Sidney am 10.12.2009 um 01:35:

 

Danke Kruemelkeks, ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Das "Fehler. Meiner." bringt einem die Gdankengänge des Charakters näher ohne dass man explizit angeben muss, dass es Gedanken sind. Das mag ich lieber, als wenn ich dann auch noch schreibe 'blablabla...', dachte ich. Nein nein, das ist nicht meins xD

So, hier kommt dann jetzt mal ein weiterer Teil für euch und das erste Kapitel ist nun auch zu Ende^^ Ich hoffe, es hat euch soweit gefallen^^



Erstes Buch
I - 5



Plötzlich klirrte etwas dicht an meinem Ohr. Als ich den Kopf hob, erkannte ich ein Glas mit Ginger Ale auf Eis und Emilys Hand.
»Dachtest du ernsthaft, ich würde ihn ansprechen?«, wollte sie wissen.
Ich stöhnte erleichtert.
»Emily, manchmal könnte ich dich wirklich zum Mond schießen.«, flüsterte ich und versuchte krampfhaft mein bis zum Hals schlagendes Herz wieder unter Kontrolle zu bringen.
»Ich weiß, aber das würdest du nie tun! Stimmt’s?«, meinte sie mit zuckersüßer Stimme.
Wie Recht sie damit hatte. Ich hatte sie viel zu gern, als dass ich jemals eine Drohung wahr machen würde, geschweige denn eine Drohung auch nur in Erwägung ziehen würde.
»Du bist ein Biest.«, erwiderte ich und nahm sie in den Schwitzkasten.
Emily lachte und versuchte sich zu befreien, indem sie anfing mich zu kitzeln. Ich fiel in ihr Lachen mit ein und dann stießen wir mit unseren Gläsern an.
Es war endlich wieder einer dieser Abende, an denen ich mich rundum wohl fühlte.

Drei Stunden waren vergangen seit Emily und ich uns unseren Platz im Club gesucht hatten. Emily hatte irgendwann vom Ginger Ale zum Martini gewechselt und war schon reichlich bedüdelt. Sie stand auf und versuchte ihr leichtes Wanken mit einem Ausfallschritt auszugleichen. Dann griff sie nach meiner Hand und zerrte mich auf die Beine.
»Was ist denn?«, fragte ich.
»Ich will tanzen und du kommst mit. Und keine Widerrede.«, antwortete sie mir mit schon etwas schwerer Zunge.
Ich stöhnte innerlich, aber ich wusste, in diesem Zustand sollte ich nicht gegen Emily anreden, wenn mir mein Leben lieb war. Also gab ich mich geschlagen und folgte ihr auf die Tanzfläche.
Gerade als wir die Tanzfläche betraten, legte der DJ einen ruhigeren Song auf. Abermals entglitt mir ein Stöhnen. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Doch Emily war glücklich. Also begleitete ich sie.
Sie legte mir ihre Arme an den Hals, schmiegte ihren Körper an mich und begann zu tanzen. Meine Hände wanderten an ihre Hüften und zusammen legten wir einen angenehm ruhigen Tanz hin. Ich hielt die Augen geschlossen, schließlich wollte ich nicht sehen, wie mich die anderen alle angafften. Ich war doch so ein miserabeler Tänzer. Emily schien zufrieden zu sein.
Als ich die Augen öffnete, starrten mich ozeanblaue Augen an. Ein eiskalter Schauer lief mir den Rücken runter und ich spürte den unverhohlenen Hass, die Kälte, die von diesen Augen ausging. Eine tiefe Trauer durchzog mich, Schuldgefühle schlugen wie Wellen über mir zusammen und ich sehnte mich danach, mich in eine Ecke zu verkriechen und nie wieder raus zu kommen.
Erst dann registrierte ich, wem diese Augen gehörten.
»Scheiße.«, flüsterte ich entsetzt.
»Na los, geh schon.«, murmelte Emily.
Sie musste ihn gesehen haben.
»Und verdirb es nicht. Du musst etwas riskieren um zu gewinnen.«
Ich nickte.
»Chris?«, begann sie und hielt mich zurück.
Oh Emily, verdammt, nicht jetzt. Was immer du mir zu sagen hast, sag es mir nachher. Wenn ich schon mal den Mut habe, dann sollte ich handeln, bevor er mich wieder verlässt.
»Was denn noch?«, wollte ich wissen und verfolgte den Mann, von dem ich nie mit diesem Blick angesehen werden wollte, mit meinen Augen durch die Menge.
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, gab mir einen Kuss auf die Wange und flüsterte mir ins Ohr.
»Vergiss nie, dass ich dich liebe! Du bist mein bester Freund, ich bin immer bei dir.«
Ich starrte sie an, dann lächelte ich.
Sie schaffte es immer im richtigen Moment die perfekten Worte zu finden.

Wir waren seit 20 Jahren befreundet. In gewisser Weise war sie meine Kindergartenliebe gewesen. Auch wenn ihr letzter Satz nur freundschaftlich gemeint war, er brachte mein Herz zum schlagen und ich spürte, dass es jemanden gab, der wirklich da war, der wirklich aufpasste. Das hatte mir in den Jahren, nach dem Tod meiner Frau gefehlt.
Emily war als Freundin immer für mich da gewesen. Wenn ich eine Schulter zum Anlehnen gebraucht hatte, war sie da. Auch wenn ich jemanden zum Herumalbern brauchte. Sie war da. Sie war mein bester Kumpel. Und sie war da, als ich keine feste Beziehung aber dennoch körperliche Betätigung wollte. Nie hatte sie es mir übel genommen und nie hatten wir diese gemeinen, peinlichen Stillen zwischen uns. Wie gesagt, sie war meine beste Freundin. Und für all das liebte ich sie.

Ich küsste ihre Stirn, dann schob ich sie von mir und hechtete in die wogende Menge dem Mann meiner Gedanken, meiner schlaflosen Nächte hinterher.
Warum hatte er mich so angesehen? War der Blick wirklich für mich bestimmt gewesen? Ein eindeutiges Ja. Er hatte mich so angesehen und sonst niemanden. Genau diesen Blick, von dem ich gehofft hatte, dass er mich nie treffen würde. Ganz allein für mich.
Warum hatte er mich so angesehen? Hatte er etwa Emily und mich beobachtet? Unmöglich. Hatte er es auf Emily abgesehen, wie auf eine seiner Frauen? Das schon eher. Er wollte Emily und als er gesehen hatte, dass sie in meinen Armen lag, da war es doch vollkommen verständlich, dass er mir dann so einen Blick zuwarf. Aber warum rannte ich ihm dann nach?
Weil du dich in ihn verliebt hast, du Trottel.
Aber wenn er Emily wollte, dann würde ich mich doch vollkommen lächerlich machen, oder nicht?
Plötzlich bekam ich Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee war. Er würde sich ziemlich sicher vor mich hinstellen und mich auslachen.
Ich blieb stehen. Was nun? Ich konnte nicht ohne ein Erfolgserlebnis zu Emily zurück. Genauso wenig konnte ich diesem Kerl hinterher, der sowieso nur Augen für Frauen hatte.
Doch die Menge übernahm die Entscheidung. Der Song wechselte und die Masse kam in Bewegung. Es wurde gedrängelt und geschubst und ehe ich mich versah, war ich am Hinterausgang am äußeren Ende der Bar. Die Tür war nur angelehnt und ohne groß nachzudenken schlüpfte ich hindurch.
Etwas frische Luft würde mich abkühlen.

Ich hörte Metall auf Beton krachen. Dann ein Fluchen. Ich schrak zusammen. Eigentlich war das hier der Ein- und Ausgang für die Angestellten des Clubs. Im Moment befand ich mich in einer Seitengasse, die voll gestapelt mit Kartonagen und Müll war. Es miefte leicht nach Alkohol und der Boden vor mir war nass.
Als ich mich etwas genauer umsah, konnte ich den Schatten einer Person hinter einem Berg von Kartons erkennen. Abermals erklang ein Fluchen, dann bewegte sich der Schatten und der Inbegriff von Schönheit trat in das schummrige Licht, dass die Straßenlaterne vom Ende der Gasse spendete.
Mir rutschte nun schon zum zweiten Mal an diesem Abend das Herz in die Hose und ich vergaß zu atmen.
Da stand er, keine drei Meter von mir entfernt. Die Laterne strahlte ihn von hinten an und der Geruch von Alkohol war verschwunden. Als ich mich dazu zwang wieder zu atmen, konnte ich einen leichten Hauch von Sandelholz und Seife wahr nehmen. Noch nie haben diese beiden Düfte so viele Emotionen in mir ausgelöst.
Einerseits hätte ich mich ihm am Liebsten an den Hals geworfen, ihn geküsst, mit den Haaren in seinem Nacken gespielt, die Konturen seines Gesichts nachgefahren. Andererseits hätte ich genauso gut das Weite suchen, mich in einem Mauseloch verkriechen und nie wieder das Licht der Welt erblicken können.
Pein und Scham überkam mich und ich senkte den Blick.
»Was willst du?«, fragte er.

Mir lief ein Schauer den Rücken rauf und wieder runter. Auf meinen Unterarmen bildete sich Gänsehaut. Er hatte eine wahnsinnig attraktive Stimme.
»Nichts… äh, frische Luft.«, stotterte ich.
Im selben Moment hätte ich mich ohrfeigen könnten. Was hatte Emily gesagt? Ich solle es nicht vermasseln. Aber ich war auf dem besten Weg dahin.
»Dafür gibt es den Vordereingang. Dieser hier ist für die Mitarbeiter.«, fuhr er mich an.
Auch wenn er scheinbar wütend auf mich war, er sollte weiterreden. Seine Stimme war wunderschön. Sie hallte tief in meinem Brustkorb wieder.
»Ich weiß, aber… es ist kein… äh Durchkommen.«, erklärte ich.
»Das ist egal. Du hast hier nichts zu suchen. Dann hättest du drin bleiben müssen.«, er wurde lauter und kam auf mich zu.
Mein Herz drohte mir die Rippen zu sprengen. Es raste und schlug mit einer Kraft, dass es weh tat.
»Dann… dann geh ich jetzt.«, nuschelte ich und wollte an ihm vorbei.

»Was sollte das vorhin?«, fragte er leise mit einer unglaublich traurigen Stimme, als wir auf selber Höhe waren.
»Wie bitte?«, hakte ich nach.
Ich glaubte, mich verhört zu haben.
»Dieses Mädchen. Was sollte das?«, fuhr er mich an.
»Sag mal, tickst du noch ganz richtig?«, rief ich.
»Du schleppst jeden Abend wer weiß wie viele Frauen ab, dann bin ich mal mit meiner besten Freundin da, die du nicht haben kannst und dann machst du mich blöd von der Seite an?«
»Die ich nicht haben kann? Hier geht es nicht um diese Frau.«, wurde er laut.
»Nicht?«, fragte ich verdutzt.
»Nein, du Blödmann. Hier geht’s um dich.«

Mir knallte nun endgültig die Kinnlade runter. Was zum Geier sollte das nun wieder?
Ehe ich mich versah stand ich mit dem Rücken an der klammen Hauswand. Links und rechts von meinem Gesicht hatte sich der Mann abgestützt. Sein Gesicht war meinem ganz nahe. Ich nahm den Geruch von Kaugummi wahr. Abermals stieg mir der Duft von Sandelholz und Seife in die Nase.
»Ja, es ging um dich.«, flüsterte er.
Er hatte die Augen geschlossen.
»Aber… Aber… diese… diese ganzen Frauen.«, murmelte ich entsetzt.
Fehler.
Meiner.
Ich hatte angenommen, dass er hinter Emily her war und hatte ihm das auch auf den Kopf hin zugesagt. Ich hatte mich selbst in die Scheiße reingeritten. Und ich stotterte wie ein Schuljunge.
»Ach mit denen hatte ich nie was. Du bist so ein Dummkopf. Ich wollte doch nur, dass du mir irgendwann folgst.«, erklärte er mit einem Seufzer.

Meine Augen weiteten sich. Das war mir eindeutig zu hoch. Nein, das wollte nicht in meinen Kopf. Ich war im falschen Film. Eigentlich sollte er mir doch eine reinhauen, weil ich es gewagt hatte, das Opfer seiner Begierde im Arm zu halten. Stattdessen gestand er mir, dass er darauf gewartet hatte, dass ich ihm folgen würde.

Bevor ich wusste, wie mir geschah, hatte er eine Hand von der Wand gelöst. Seine Fingerspitzen fuhren in meinen Nacken, spielten mit meinen Haaren. Dann glitten sie nach vorn und über meinen Mund.
Ich starrte auf seine Hand, dann auf seinen Mund. Mein Blick wanderte zu seiner Nase in seine Augen. Sie waren grün.
In diesem Moment war es um mich geschehen.
Ich hob meine Arme, legte sie in seinen Nacken und begann nun meinerseits damit seine Haarspitzen mit den Fingern zu zwirbeln. Dann zog ich ihn an mich heran. Ich spürte sein Herz schlagen. Es vollführte einen ebenso aufgeregten Tanz wie meins.
»Weißt du…«, begann ich und brach ab.
Nein, ich wollte nicht reden. Nicht in diesem Moment.
Er sah mir noch einmal in die Augen, versuchte meinen Blick festzuhalten und ich verlor mich. Dann schloss er die Lider, beugte sich mir noch ein paar Zentimeter entgegen. Seine Lippen berührten meine. Nur ganz kurz. Dann löste er sich von mir.
»Ich kann das nicht.«, fluchte er.
Erstaunt sah ich ihn an. Er war einen Schritt vor mir zurückgewichen, blickte auf meine Schuhe. Dann begann er im Kreis zu laufen.
»Das geht so nicht.«, wiederholte er.
»Was ist denn?«, wollte ich wissen und hob hilflos die Arme.
»Du willst doch gar nichts von mir. Wie kann ich dich jetzt küssen?«, schrie er.
Unweigerlich musste ich lachen.
Ich will nichts von dir? Wenn du wüsstest. Ich komm doch nur wegen dir in diesen Club. Nur wegen dir.
Doch ich sagte nichts von alledem. Stattdessen griff ich nach seinem Arm.
»Tu’s doch einfach.«, flüsterte ich.
Verdattert starrte er mich an.
»Na los.«, versuchte ich ihn zu ermuntern.
»Nein.«, hauchte er. »Du willst nichts von mir.«
»Wegen wem bin ich dann jeden Tag in diesen Club? Bestimmt nicht wegen der Musik.«, flüsterte ich.
Jetzt war er es, dem die Kinnlade bis zum Boden krachte.
Er blinzelte ein, zweimal. Dann schloss er die Augen und ich bekam meinen lang ersehnten Kuss.
Seine Lippen waren weich und süß. Es fühlte sich gut und richtig an. Meine Hände lagen wieder in seinem Nacken, spielten mit den Haaren die ihm aus dem Zopf geglitten waren.
Und er? Er küsste mich einfach.

Wir verharrten lange so. Seine Zunge erkundete sanft meinen Mund, während mein Herz einen wahren Trommelwirbel veranstaltete.
Plötzlich wich er vor mir zurück.
»Ich muss wieder rein.«, flüsterte er und schnappte nach Luft.
Atemlos standen wir uns gegenüber.
»Chris, es tut mir leid, ich muss wirklich wieder rein.«, wiederholte er wie in einem Mantra.
Wem musste er das erklären? Mir bestimmt nicht. Versuchte er sich selbst eine Rechtfertigung, eine Erklärung zu geben, warum er den Kuss unterbrochen hatte?
»Schon in Ordnung. Ich weiß, du musst arbeiten.«, erwiderte ich.
Ich fragte mich, woher er meinen Namen kannte. Egal. Es war egal. Ich hatte diesen unglaublichen Mann küssen dürfen.

Ein leichtes Lächeln glitt über seine Lippen. Dann nickte er.
»Wir sehen uns.«, murmelte er und es klang nicht wie eine dieser belanglosen Verabschiedungen.
Nein, es klang wie ein Versprechen.
»Gut.«, meinte ich.
Ich lächelte ebenfalls.
Dann drehte er sich um und ging zur Tür.
»Hey, ich kenne deinen Namen nicht.«, rief ich ihm nach.
»Johnny. Ich heiße Johnny.«, rief er zurück.
Dann war er verschwunden.
Ich war glücklich. Haltlos glitt ich an der Wand hinab. Die Kraft hatte meine Beine verlassen. Gott, ich war so unendlich glücklich.
Was Emily wohl dazu sagen würde?

Verdammt, die hatte ich ganz vergessen. Noch betrunken vor Glück versuchte ich aufzuspringen. Ich taumelte durch die Tür durch die wogende Menge Richtung Emily. Ausnahmsweise fand ich sie sofort. Ohne zu fragen grinste sie mich an.
»Glückwunsch, Großer.«, rief sie, packte mich und wirbelte mich herum.
Es war unglaublich, wie viel Kraft in diesem kleinen Wesen steckte.

Dieser Abend war der Grund, weswegen ich nun so grottenschlecht am Klavier war. Dieser Abend war der Grund, weswegen ich keinerlei Ruhe finden konnte. Und doch, noch nie war ich so glücklich gewesen, nach dem Tod meiner Frau. Ich würde ihn wieder sehen. Ja, er hatte es versprochen.

~~~~

Ende Kapitel I



Geschrieben von nymphy am 10.12.2009 um 09:32:

 

Puh^^ also der einzige Teil wo ich jetzt gestockt bin

bis zum Hals schlagendes Herz wieder unter Kontrolle zu bringen.

Ich glaub Kontrolle is nich das richtige Wort Augenzwinkern Weil kontrollieren kannst du es ja eher weniger ^^ beruhigen.. oder sowas Augenzwinkern

Und dann wo die beiden plötzlich allein sind? Wieso is Johnny denn nun so wild darauf? Wieso wusste er das er mit den Frauen Chris zu sich holen könnte? Woher kannte er den Namen? Was hat er mit den Frauen dann gemacht? ^^



Geschrieben von Sidney am 10.12.2009 um 14:54:

 

Also zumindest das mit dem Namen wird sich so nach und nach in Kapitel zwei klären^^ Soviel sei versprochen *g*



Geschrieben von Kjara am 11.12.2009 um 12:05:

 

Liest sich wunderschön <3 Ich mags total smile



Geschrieben von Sidney am 12.12.2009 um 13:23:

 

Danke Kjara fröhlich

Mag noch wer was zum ersten Kapitel sagen? Sonst fang ich so langsam aber sicher mal an das zweite zu posten.



Geschrieben von Sidney am 17.12.2009 um 03:03:

  RE: Ride on ["Song-Fic", Original; Shonen-Ai, Krimi] - Kapitel I/5

So, da es keine weiteren Kommentare gab, fang ich jetzt mal mit dem zweiten Kapitel an. Freu mich über Kritik und Lob^^ Das kommende Kapitel wird bereits dramatischer^^


Erstes Buch
II - Der Blick gen Himmel



Seit zwei Wochen saß ich wie auf Kohlen. John hatte sich nicht mehr gemeldet. Weder über mein Handy, noch über mein Telefon. Auch war er nicht vorbei gekommen.
Fehler.
Meiner.
Woher sollte er denn bitte meine Nummern haben? Oder meine Adresse? Und überhaupt! Wie bescheuert war ich eigentlich, dass ich davon ausging, dass sich ein Mann wie Johnny wieder bei mir melden würde
Johnny. Allein bei dem Gedanken an seinen Namen lief mir das Wasser im Mund zusammen.
Wenn ich an seine Hände und seinen Mund dachte, bekam ich eine Gänsehaut.

Aber er hatte sich nicht gemeldet. John, wie ich ihn in meinen Gedanken nannte, hatte sich nicht gemeldet. Er hatte sein Versprechen gebrochen.
Dieser Gedanke machte mich fast wahnsinnig. Das Telefon klingelte zwar, aber ich konnte an der Rufnummer erkennen, dass es Emily war. Sie versuchte ständig etwas über diesen Abend aus mir herauszubekommen, doch ich schwieg, wollte nichts mehr wissen.
Ich hatte Wochen damit zugebracht von ihm zu träumen, an ihn zu denken und ihn aus der Ferne zu betrachten. Dann hat er mir die Hand gereicht, nur um mich im nächsten Moment in den Abgrund zu stoßen.
Es ging tiefer hinab, als gedacht. Er hatte doch mehr in mir ausgelöst, als ich jemals vermutet hätte. In Gedanken stimmte ich Emily zu, die immer wieder sagte, dass ich mich wie ein verliebter Teenager benahm.
Doch was sollte ich machen? Johnny hatte mir versprochen, sich zu melden. Ich hatte gehofft, gebangt und gebetet. Doch nicht einmal war seine Nummer auf dem Display meines Telefons erschienen. Nein, immer nur Emilys.

Plötzlich klingelte es an meiner Tür. Wie von der Tarantel gestochen fuhr ich auf und stürmte zu meiner Haustür.
Beruhig dich, befahl ich mir. Schließlich wollte ich Johnny – sollte er es sein – nicht völlig außer Atem gegenüber stehen.
Ich atmete ein-, zweimal tief durch, dann öffnete ich mit klopfendem Herzen die Tür.
Doch John stand nicht vor der Tür. Im Gegenteil. Die Person, die da stand, war nicht männlich, war nicht groß, schwarzhaarig war sie auch nicht. Nein, es war Emily.
Ich seufzte ergeben.

»Sag mal, gehst du mir aus dem Weg?«, fragte sie.
Doch ohne auf eine Antwort zu warten, drängte sie sich vorbei in mein Haus.
»Du ziehst dich jetzt an und kommst mit!«
»Nein.«, erwiderte ich schwach.
»Keine Widerworte.«, rief sie, kam zurück, schloss die Tür und packte mich am Arm.
Dann zerrte sie mich ohne Rücksicht auf Verluste in mein Schlafzimmer, zog einige Klamotten aus meinem Schrank und warf sie mir vor die Füße.
»Ich habe das nun lange genug mit angesehen.«, meinte sie überzeugt.
»Dann sieh doch weg. Ich brauch keinen Babysitter.«, fuhr ich sie an.
Nein, ich hatte jetzt definitiv keine Lust darauf, mir ihr Gemecker anzuhören. Und ich wollte auch nicht mit ihr um die Häuser ziehen.
»Das scheint mir aber nicht der Fall. Du benimmst dich wie eine Vierzehnjährige beim ersten Liebeskummer. Du machst dich jetzt fertig und kommst mit.«, rief sie abermals.
Sie hatte ihre gefährliche Tonlage an den Tag gelegt. Ich sollte wohl besser machen, was sie verlangte.

Also ergab ich mich in mein Schicksal. Demonstrativ drehte ich ihr den Rücken zu und zog mich missmutig an. Das konnte ja heiter werden.
Als ich endlich fertig war, hatte Emily bereits wieder ihre kleine Handtasche in der Hand und wartete an der Tür auf mich.
Abermals entglitt mir ein Seufzen. Warum konnte sie mich nicht einfach zufrieden lassen? Was hatte ich ihr getan, dass sie mich so folterte?
Ich wollte mich doch nur in mein Schneckenhaus verkriechen, Klavier spielen und den einen oder anderen Kübel Eis vernichten. Aber nein, Emily stand in der Tür. Wie ein Wirbelwind fegte sie über alles hinweg, was nicht niet- und nagelfest war.

Wie als hätte sie meine Gedanken gelesen schnaubte Emily unwillig durch die Nase. Und da ich ihr nicht schnell genug zur Tür draußen war, gab sie mir einen unsanften Stoß.
»Jetzt reiß dich mal am Riemen!«, keifte ich sie an.
Es reichte schon, dass sie mich mitschleifte, da brauchte sie mich nicht auch noch wie einen Sklaven behandeln.

Emily erwiderte nichts, stattdessen bugsierte sie mich in ihren Wagen, lief darum herum und stieg selbst ein. Dann fuhr sie los. Sie sagte auf der gesamten Fahrt nichts mehr, bis wir an einem Club ankamen.
Es war nicht das „Charlie’s“, das hätte ich direkt erkannt, schließlich war mir John hier das erste Mal aufgefallen.
Nein, es war einer dieser Clubs, die wirklich nur auf das Tanzen spezialisiert waren. Dort gab es kaum Tische und wenn, waren sie leer, da jeder mit tanzen beschäftigt war.
Ich konnte mir ein weiteres Seufzen nicht verkneifen, doch Emily ignorierte es.

Wir stiegen aus, kamen irgendwie an den Türstehern vorbei und bezahlten den Eintritt. Erst als sich zuerst eine junge Frau und daraufhin fünf weitere nach mir umdrehten, begann ich mich zu fragen, was für Klamotten mir Emily eigentlich rausgesucht hatte. Es war mir in dem Moment egal gewesen, darum hatte ich auch nicht darauf geachtet, als ich sie angezogen hatte.

Ich blickte an mir herab und stellte fest, dass ich dieselben Stücke trug, wie an dem Abend, als Johnny mich küsste. Mir lief es eiskalt den Rücken hinab. Warum hatte ich das nicht sofort bemerkt? War ich so sehr mit mir und meinem Selbstmitleid beschäftigt, dass ich so etwas nicht mehr mitbekam? Ich hatte mir sogar das Lederband wieder um den Hals gelegt. Wann hatte ich das getan? Das musste irgendwann zwischen Socken und Schuhen passiert sein. Aber wann?
Was noch viel schlimmer war, den ganzen Weibern gefiel, wie ich aussah. Nein, ich wollte die Aufmerksamkeit von diesen Weibern nicht.

Doch ehe ich mich versah, war Emily verschwunden – die einzige Person, die die anderen Frauen daran hinderte, mich zu umringen. Fast augenblicklich fand ich mich inmitten von Frauen wieder, die alle auf einmal auf mich einredeten.
Nein, Emily, das hast du nicht getan! Du versuchst nicht, mich aus meinem Kummer herauszuholen, indem du mich vor eine Meute hungriger Wölfe wirfst!
Fehler.
Meiner.
Natürlich tat sie das. Anders wusste sie sich wohl nicht mehr zu helfen. Sie hatte mich tagtäglich am Telefon gehabt, hatte mitbekommen, wie ich mich immer weiter in mich selbst zurückzog, mich mit Eis voll stopfte, die Hälfte vom Tag entweder in meinem Bett oder auf der Couch liegend damit verbrachte, irgendwelche Sitcoms im Fernsehen zu schauen und die andere Hälfte mit Klavierspielen.
Ich war nicht mehr raus gegangen, hatte keinerlei Kontakt zu meinen Eltern gesucht, geschweige denn zu anderen Freunden. Nein, stattdessen hatte ich mich vollkommen vergraben.
Vielleicht tat es mir ja ganz gut, einfach mal raus zu kommen. Aber nicht mit so vielen Frauen auf einem Haufen. Schon gar nicht, wenn ich mit keiner Frau ausgehen wollte. Nein, ich wollte mit einem Mann ausgehen. Mit einem ganz besonderen Mann. Mit Johnny.
Johnny.
Wie eine eiskalte Welle schlug die Erkenntnis über mir zusammen, dass ich hier in einem Club gelandet war, in dem Johnny nicht arbeitete. Ich würde ihn an diesem Abend nicht sehen. Ich konnte nur an ihn denken. Und das tat weh.

Ich dachte an seine Lippen, wie sie sanft, ja, schon fast flüchtig, die meinen berührt hatten, wie er vor mir zurück gewichen war nur um mich einen Augenblick später in einen der süßesten und sinnlichsten Küsse zu verwickeln, den ich je erlebt hatte.
Ich dachte an seine Hände, wie sie durch meine Haare und in meinen Nacken gefahren sind um dort zu verweilen und mich mit seinen Fingerspitzen zu kraulen, leicht über meine Haut zu fahren und mir eine Gänsehaut zu bescheren.
Ich dachte an seine Augen, seine wundervollen grünen Augen, die mich anstrahlten, dann die Farbe wechselten und ozeanblau seine Wut zeigten, wenn er sich gestört fühlte, wenn er nicht wollte, dass ihn jemand ansprach, begaffte oder sonst was von ihm wollte.
Und ich dachte an diese tiefe, sonore Stimme, die mein Herz höher schlagen ließ, deren Ton allein mir schon den Himmel versprach.



Geschrieben von Sidney am 21.12.2009 um 20:48:

 

Mag keiner mehr was dazu sagen?


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